Im nächsten Teil unserer Interview Reihe teilt der Marquis de Savignon - Fourme d'Ambert -…
Die Ansichten eines Captains
1 – Ist es eine gute Position, Kapitän der Santa Anna zu sein?
„Ein Kapitän steht nur so lange, wie seine Mannschaft ihm vertraut. Ohne dieses Vertrauen ist Befehlsgewalt eine Illusion.“
Ihr Leben liegt in meiner Verantwortung — jede einzelne Seele an Deck. Diese Last verlässt niemals meine Schultern. Ich treffe Entscheidungen, die andere niemals tragen sollten. Manche sind schwer. Manche kosten Leben. Sind sie einmal getroffen, müssen sie ohne Zögern befolgt werden.
Es gibt keinen Raum für Zweifel, Diskussion oder Emotion, sobald der Befehl gegeben ist. Auf See tötet Ungewissheit schneller als jeder Feind.
Fühlt später, wenn ihr überlebt.
Im Moment des Handelns wird gehorcht. Am Ende gibt es nur einen Schuldigen. Den Kapitän.
Die Mannschaft handelt auf mein Wort hin. War die Entscheidung falsch, so liegt die Schuld allein bei mir. Das ist der Preis des Kommandos — und der Grund, warum Zweifel auf meinem Deck keinen Platz haben.
Ich habe nie gewählt, Kapitän zu sein. Der Titel hat mich gewählt.
2 – Welche großen Ziele führen euch jedes Jahr an Land zur Feste? Eine alte Fehde mit einem gemeinsamen Feind? Austausch mit anderen großen Geistern? Oder… lukrative Aussichten?
Keines… und doch. Wir gehen für die Feste an Land, weil das Herz uns hierherführt. Nicht durch Navigation, nicht aus freiem Willen oder Kurskorrektur. Das Artefakt weist uns nicht den Weg — es richtet unseren Pfad neu aus.
Einmal im Jahr, ohne Ausnahme, zieht es die Santa Anna an diesen Ort. Wir wissen nicht, warum dieser Platz von Bedeutung ist. Wir wissen nicht, ob er ein Ankerpunkt, eine Kreuzung oder lediglich der Ort ist, an dem die Spannung zwischen den Realitäten sichtbar wird.
Also kommen wir. Nicht aus Glauben. Nicht aus Tradition. Nicht zum Feiern.
Die Pflicht eines Kapitäns ist es nicht, jede Kraft auf See zu verstehen — sondern den Wellen und dem Wind zu folgen.
Der Zweck mag unbekannt sein. Das Muster ist es nicht.
Kurz gesagt: Der Kompass führt uns zur Feste — und wir wissen nicht warum.
3 – Aus welchen Gründen habt ihr Kaela eure Loyalität geschworen?
Versteht zunächst eines ganz klar: Wir sind eine Bruderschaft. Wir schwören unsere Loyalität nicht leichtfertig, und wir knien weder vor Kronen noch vor Bannern oder Namen.
Unsere Loyalität gilt dem Codex. Lady Montrose. Dem Kapitän. Der Rabenpriesterin. Das ist die Ordnung. Das ist die Linie.
Innerhalb dieses Rahmens habe ich mich entschieden, Kaela meine Loyalität zu geben.
Nicht aus Glauben, nicht aus Politik, nicht aus Pflicht. Sondern weil ich weiß, was es heißt zu befehligen. Ich habe sie als militärische Anführerin der Feste gesehen. Ich erkenne die Last, die sie trägt. Ihre Stärke. Ihre Ausdauer. Ihre Führungsqualität.
Doch wichtiger noch: die Bürde. Den Schmerz, den Zweifel, die Schwäche, die allein getragen werden, damit andere standhalten können.
Das ist Kommando. Eine Last, die nur wenige verstehen — und noch weniger tragen, ohne daran zu zerbrechen.
Auf dem Schlachtfeld steht sie so, wie es eine Führungspersönlichkeit tun muss: sichtbar, entschlossen und bereit, der letzte Punkt der Verantwortung zu sein. Das verdient meinen Respekt. Und Respekt, einmal verdient, führt zu Loyalität.
Durch mich hält sie die Loyalität des Corvus Silens. Nicht, weil wir uns verbeugen. Sondern weil wir eine der Unsrigen erkennen — jemanden, der im selben Feuer geschmiedet wurde.
Es gibt da noch… etwas anderes. Eine unausgesprochene Verbindung. Unklar. Unvermessen. Zwischen Kaela und dem Corvus Silens. Ich verstehe ihre Natur noch nicht, doch ich ignoriere keine Muster, die sich wiederholen. Bis dieses Band seine Wahrheit offenbart, bleibt meine Loyalität bestehen. Gewählt. Bewusst. Und entschlossen.
4- Irgendwelche berühmten (letzten) Worte?
Das Meer erinnert sich — die Raben vergessen nie.
Vielen Dank an Euch, Kapitän, für das Teilen dieser Geschichten und Geheimnisse
